Pinterest oder der Fluch der Inspiration

Ein kleines Tagebuch


3. Januar 2014
Das wurde doch für Frauen erfunden! 
 
Diese Pinnwand, die mich in den Wahnsinn treibt! Eine? Unzählige! Ihr wisst schon was ich meine. Es fängt mit “P” an und hört mit “interest” auf. Jeder der mitmacht pinnt sich Fotos aus dem Netz auf virtuelle Pinnwände, die von jedem anderen Pinner nach Wunsch mitverfolgt werden können. Bei Millionen von Nutzern weltweit ist ein ständiger Fluss von Pins garantiert. Zu jedem kreativen Thema gibt es die tollsten Fotos und Sprüche. Da habe ich doch gleich eine Idee, was ich als nächstes nähen, stempeln, basteln, kochen oder backen kann. Oder nicht?

 

Wenn mein Mann mich abends wie hypnotisiert über dem Smartphone hängen sieht, schüttelt er nur mitleidig den Kopf. Die Frau guckt wieder Bilder. Kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Ein Foto jagt das nächste. Dann sage ich mir: “So jetzt nur noch einen Pin und fertig.” Nun komme ich aber von eben diesem letzten gepinnten Foto auf einen Blog, der so schön ist, dass ich da noch “schnell” durchblättern muss. Kennt ihr das auch? 
     
     1. (offensichtliche) Erkenntnis: Pinterest ist ein Zeiträuber
Nun habe ich schon einige Pinnwände, um genau zu sein 42. Vor allem Nähinspiration habe ich mir “gemerkt”. Ich muss kurz auflachen. Gemerkt! Von wegen. Sobald der Pin auf seiner Pinnwand klebt ist er schon so gut wie vergessen, denn es folgen ständig Neue. Manchmal fällt mir nach einem Pinterest-Tieftauchgang kein einziger Pin mehr ein, den ich weitergepinnt habe.
 
Wozu also das Ganze? Ach ja. Ich kann doch jederzeit meine Pinnwände sichten und mich in Ruhe inspirieren lassen. Nochmal kurz gelacht, denn ich schaue nicht wirklich nach was ich im letzten Jahr so alles auf meinen Pinnwänden hinterlassen habe.
     
     2. Erkenntnis: Pinterest macht vergesslich (und ein bißchen blöd)
Meine Pinnwände habe ich mir als Inspiration zusammengesammelt. Und habe Pinterest auch immer als Inspirationsquelle gesehen. Wenn ich jedoch nach einer Pinterest Session wieder auftauche fühle ich mich geschlaucht, überfordert, reizüberflutet. Hallo, Inspiration? Warum funktioniert das bei mir nicht? Versteht ihr das? Was mache ich falsch? Das ist ein bisschen so wie ich mich auf dem Stoffmarkt Holland fühle. Ausgebremst, weil es einfach zuviel des Guten ist.
     
     3. Erkenntnis: Pinterest inspiriert nicht (so richtig)
Sind Menschen nicht in der Not am kreativsten, wenn es darum geht aus wenig möglichst viel zu machen? Ist dieser Inspirationsüberfluss vielleicht schädlich für die Inspiration?

 

4. Januar 2014
Ich werde mir nach und nach jede Pinnwand einmal vornehmen und nur die Fotos belassen, die mir wichtig sind. Alle anderen werden gelöscht.
Eine oder zwei Ideen pro Pinnwand werde ich mir in meinem großen Notizbuch notieren. Also so ein Richtiges, aus Papier, wisst ihr was ich meine? 😉 Da stehen schon so viele Ideen drin, dass ich bestimmt bald ein Neues brauchen werde.

 

Letzten Samstag habe ich anstelle meines Handys nur mein Notizbuch in der Handtasche gehabt. Mein Smartphone muss auch mal zuhause bleiben. Ständig schauen was sich auf Facebook tut, habe ich eine neue Mail bekommen? Gibt es einen neuen Blogpost, den ich lesen muss? Was denken meine Kinder eigentlich von mir? Womöglich: “Wurden Mamas schon mit Handy in der Hand geboren?” Was mein Mann denkt, weiss ich ja schon.

 

Während mein Handy sich also in der Flurkommode langweilte habe ich im Auto mein Notizbuch festgehalten und zwei Dinge notiert. Die Idee zu diesem Post und eine erste Überschrift dazu. Das war doch mal produktiv.


5. Januar 2014

Die große Pinterest Putzaktion ist getan: aus 42 Pinnwänden wurden 36. 

Viele Fotos wurden gelöscht, sortiert, und umsortiert. Die Pinnwände sind jetzt (für mich) übersichtlich benannt. Ich fühle mich langsam wohl mit meiner Pinterest Sammlung und freue mich über diese wirkliche Inspirationsquelle. Möchte ich mal einen Hoodie mit dem gewissen Extra nähen, klicke ich meine Hoodie Pinnwand an. Die finde ich richtig gut. Da sind viele tolle Ideen dabei.


20.1.2014
Gut zwei Wochen später bin ich immer noch froh über meine aufgeräumten Pinnwände. Mittlerweile sind wieder Pins hinzugekommen, aber über die freue ich mich, weil wirklich Sachen dabei sind, die ich umsetzen werde. Auf Pinterest verzichten kann ich nicht, dafür ist das Tool viel zu genial! Aber ich möchte nicht mehr so viel Zeit darin verplempern. 

 

Und wie nutzt ihr Pinterest? Fühlt ihr euch auch manchmal damit überfordert? Das würde mich sehr interessieren. Ich freue mich auf eure Kommentare.

Herzliche Grüße,
Elke



 

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19 thoughts on “Pinterest oder der Fluch der Inspiration

  1. eulespatz sagt:

    Es geht mir genau SO, wie du es beschrieben hast!
    Pinterest macht vergesslich! Ich vergesse, was ich gepinnt habe und vor allem ich vergesse zu pinnen. Oftmals suche ich zwar ein oder zwei Tage später mal diesen oder jenen Artikel, aber das kommt vielleicht alle paar Monate einmal vor.

    Meine Sucht geht eher in Richtung Crafgawker & co. Wobei ich da dann wenigstens noch ein paar schöne Blogs in meinen Reader finde…

    Lieben Gruß 🙂

    1. Gut zu wissen, dass ich nicht alleine bin! Craftgawker kenne ich nicht. Wenn das sûchtig macht, gucke ich mir das auch lieber nicht an…

  2. Liebe Elke,
    jepp, ich sehe es auch so, irgendwie denke ich oft, ach, der ganze Internetmist… und gucken tu ich trotzdem.
    DEINE Hoddie-Pins finde ich auch toll, denn da brauche ich noch ein paar für mich und die Kids und da werde ich sicherlich öfter noch reinschauen, denn so erstaunlich es auch ist, gucke ich mir die von anderen gepinte Sache öfter an als meine.
    Herzlichst,
    Tessa

    1. Hallo Tessa, ich bin gespannt auf Deine Hoodies! Dann hab ich wieder was zum Pinnen ;-))

  3. Deine Hoodie Pinnwand ist ja toll, da hab ich grad schon ein paar Anregungen gefunden;-)
    Aber es ist genauso wie du es schreibst: ich pinne,ich like,ich speichere Fotos…. Aber es kommt nix dabei rum!
    Und mein Mann schimpft dann immer ich würde nur ins Smartphone starren! Wer ich? Nein da sind andere viel schlimmer? Oder? 😛
    Viele Grüße Karina

    1. Ja, ich liebe diese Pinnwand. Warum finden Männer Pinterest eigentlich langweilig? Weil Sie Jäger und keine Sammler sind?

  4. Doro sagt:

    Tja, das Problem hab ich nicht, ich bin nämlich schlicht zu dämlich um Pinterest, Instagram, Twitter und wie sie alle heissen, zu benutzen. Ich bin froh, dass ich halbwegs mit Blogger klarkomme! Wenn ich mir deinen Bericht so durchlese, ahne ich, warum das sehr, sehr gut für mich und mein Zeitmanagement ist… 🙂
    Liebe Grüße!

    1. Sei sehr froh!! Es gibt sinnvollere Wege sich die Zeit zu vertreiben 🙂

  5. Na ja, da ich fast alles sammle, sammle ich auch ziemlich viel auf Pinterest.
    Ich versuche aber wirklich nur das zu pinnen, was mir gefällt, und irgendwann …??? schon mal umgesetzt werden soll! Am liebsten sammle ich natürlich Tutorials und Schnittmuster-Ideen… das inspiriert mich irgendwie… :-).
    Trotzdem halte ich deine Räumungsaktion für eine gute Idee, und muss ich auch bald mal machen!!!
    Liebe Grüße
    Veronika

  6. Nähfrosch sagt:

    Hihi so würde es mir 100% auch gehen!!! Deshalb halte ich mich von pinterest fern. Und instagramme eher spärlich. Es reicht mir wenn ich ständig auf FB, Mails oder die bloglovin app starre. Ich versuche mein Smartphone ab und zu zu ignorieren, aber so ganz klappt es noch nicht. Muss aber. Man wird total hektisch und ach, es ist doch einfach bekloppt zu denken, dass man in jeder Sekunde was zu tun haben muss!!! :/
    LG
    Katja

    1. Das ist sehr VERNÜNFTIG von Dir 😉 Hätte ich auch mal tun sollen. Hihi. Nun ist es aber schon um mich geschehen. Ich muss jetzt nur noch lernen, Pinterest wirklich sinnvoll zu nutzen, dann ist alles gut.
      LG Elke

  7. Hallo Elke,

    das Problem kenne ich nur allzu gut! Besonders am Anfang habe ich Stunden mit dem Stöbern und Pinnen bei Pinterest verbracht, hatte soooo viel Input, nur keine Zeit überhaupt irgendetwas davon (oder unabhängig davon) umzusetzen, was sehr schnell demotivieren kann. Inzwischen schaue ich unregelmäßiger bei Pinterest vorbei, suche eher gezielt nach Dingen, aber vor allem finde ich ein Ende und verbringe ich keine Stunden mehr damit!

    Ähnlich ist es auch mit vielen anderen Dingen, z.B. meiner immer länger werdenden Blogliste? Ich bin von dem Gedanken weg ALLES (zeitnah) sehen und lesen zu müssen 😉 Wenn ich die Zeit dazu finde drehe ich sehr gerne eine Blogrunde und wenn ich in einer Woche mal nicht dazu komme, dann eben nicht!

    Inzwischen bin ich mit meinem Zeitmanagement ganz zufrieden, vor allem aber mit der Einsicht, mit gutem Gewissen auch einfach mal die Füße hochzulegen und nichts zu tun 😉

    Ganz liebe Grüße
    Katherina

    1. Hallo Katherina,
      das ist wirklich eine gesunde Einstellung. Bei mir gehört es mittlerweile zum Alltag viele Blogs zu lesen und auch bei Facebook Zeit zu verbringen. Vielleicht ändert sich das auch wieder wenn die Babyzeit vorbei ist 😉
      Herzliche Grüße,
      Elke

  8. Kerstin sagt:

    Abtauchen ist das richtige Wort. Du beschreibst sehr gut, wie viele (ich inklusive) mit Pinterest umgehen. Nunja, ich habe kein Smartphone… mein Handy hat ein S/W Display und ist so gut wie nie an. 😉 Von daher bin ich nur abends ab und zu mal ein paar Minuten bei Pinterest. Meine „echten“ Boards sind derer 3 und ich nutze sie wirklich als Quelle… z.B. hatte ich die letzten 2 Wochen irgendwie gar keine Lust und Idee zum Nähen. Also habe ich mal auf meinen Boards geschaut, was ich mir nun denn mal vorgenommen habe. Hat geholfen, jetzt habe ich schon wieder den Kopf voll. 😉
    Ich denke, in Maßen ist auch hier die Regel. In diesem Sinne: „Happy Pinning“.
    LG
    Kerstin

    1. Wenn man rechtzeitig auftaucht vor dem Ertrinken ist alles gut 😉 Das mit dem einfachen Handy ist richtig gut, dann kommt man garnicht erst in Versuchung. Manchmal wünsche ich mir, mein Handy würde kaputtgehen. Es ist schon mehrfach gefallen und hat auch schon ein zersprungenes Display, aber es will einfach nicht aufhören zu funktionieren! Es ist ja wie bei allen Versuchungen eine Frage der Selbstdisziplin. Yeah, „Happy Pinning“!
      LG Elke

  9. Ms Fisher sagt:

    Liebe Elke, ich gebe Dir zu 50% recht und teile auch Deine Meinung.

    ABER .. jetzt, da ich nun bestimmt schon ein Jahr sammle, ergibt sich auf meinen Pinnwänden eine Art Struktur, die mich immer öfter nachschauen lässt. Heißt, mittlerweile inspirieren mich meine eigenen Pins. Denn natürlich ist es wie Du sagst, man kann sich gar nicht merken, was man alles pinnt. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich pinne eher für später und freue mich, wenn sich ein gewisser roter Faden durch meine Nähinspirationen zieht. Oder ich z.B. aus einem Board bestimmt Pins zu einem neuen Board zusammen ziehe. Das habe ich gerade mit meinen „Special Shirts“ gemacht. Ich habe meine Boards nach eben solchen durchforstet und die Pinns umgepinnt. Das hat richtig was gebracht und das ganze Gepinne wieder etwas sinnvoller gemacht 😉

    Wenn die Zeit knapp ist, wie geradeeben mit Baby und Hausbau, dann entscheide ich mich aber immer wieder in erster Linie für die Nähmaschine und in zweiter für pinterest – meist dann, wenn mein Kopf nur noch Matsch ist und leichte Kost braucht 😉

    Übrigens mag ich Deine Pins sehr und pinne sie sehr oft weiter. Ist auch interessant darüber zu sehen, dass man sich ziemlich ähnlich ist 🙂

    Alles Liebe
    Sindy

    1. Liebe Sindy,
      das ist auch eine gute Idee, aus den vorhandenen Boards neue zusammenzustellen. Daran habe ich noch garnicht gedacht. Seit meiner Aufräumaktion bin ich aber zufrieden mit mir und Pinterest! Ich freue mich auch schon, bei meinem nächsten Kleidungsstück erst noch einmal durch die entsprechende Pinnwand zu surfen und eine Idee rauszupicken!
      Und wenn ich weniger Zeit dafür hätte würde ich mich auch lieber fürs Nähen entscheiden!
      Liebe Grüße,
      Elke

  10. Anni Nanni sagt:

    Irgendwie machen mich die Pinns auch immer bisschen träge. Ich sehe 100 schöne Sachen, würde sie gerne auch alle haben und am Ende vom Abend bin ich frustiert, weil ich nie irgendwas mache..
    Stimmt natürlich nicht, denn ich nähe eigentlich sehr viel. Aber trotzdem habe ichimmer ein schlechtes Gefühl nach so vielen schönen Sachen. Und ja, man ist definitiv am kreativsten aus der Not heraus. Und danach am glücklichsten und das ist das was zählt

  11. Karin Wipfli sagt:

    Liebe Elke
    Vielen Dank für deinen lieben Kommentar auf meinem Blog! Zu deiner Frage, wie ich Pinterest nutze: völlig chaotisch ;-), irgendwie habe ich mich mit dem ganzen noch nicht so reingekniet, um es zu verstehen. Ich bekomme wöchentlich mein E-Mail, dass es dort wieder neue gibt zum sehen…da gehe ich mal kurz rein zum schauen und vergesse es dann für eine Woche wieder 😉 Von mir habe ich ein paar Sachen gepinnt, die mich wirklich happy gemacht haben und ich gerne andere daran teilhaben lassen möchte. Aber wie du sagst, es ist oft eine Reizüberflutung und die meisten Ideen kommen mir sowieso Nachts, wenn ich nicht schlafen kann vor lauter kreativhuhngedanken.
    Sei lieb gegrüsst! Ich werde mich dann mal bei dir in die Leseliste hier einreihen und schaue lieber hier wieder mal rein!
    Karin

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