Shoppen verlernt man nicht

Also ich habe festgestellt, das ist wie mit dem Fahrradfahren. Verlernt frau nicht, auch nicht nach einem Jahr Abstinenz.

Gestern morgen war ich im lokalen Einkaufszentrum shoppen. Mein Ziel: eine Jeans und ein Paar Schuhe. Zwei Paar Jeans und 2 Oberteile habe ich erstanden, wovon es eine Jeans nicht durch den häuslichen Outfit-Check geschafft hat. Die muss also zurückgebracht werden.

Mein Einkaufsverhalten hat sich nicht grundlegend verändert. Der alte Schnäppchenjäger in mir war geweckt sobald ich das Einkaufszentrum betreten hatte. „Shopping with a plan“ funktioniert bei mir genausowenig wie „sewing with a plan“. Vielleicht hätte ich mir vorher einen ganz konkreten Einkaufszettel schreiben müssen à la: eine schmale, blaue Jeans der Marke xy, mit leichter Waschung, eckigen Potaschen und goldbraunen Nähten. Dann wäre ich vielleicht nicht mit einer puderrosa Camouflage Jeans nach Hause gekommen….

Was die Farben angeht habe ich mich beim Shoppen aber strikt an meinen Farbpass gehalten. Damit konnte ich einiges von Anfang an ausgrenzen, was früher in die engere Auswahl gekommen wäre. Also bin ich doch schon einen Schritt weiter!

Meine Schnäppchen habe ich mir im Gegensatz zu früher genauer betrachtet. Nicht jede Naht akribisch, aber doch wesentlich kritischer als vorher. Meine Käufe versprechen eine längere Lebensdauer als die schnelllebigen Sachen von H&M und Co. Damit bin ich schon einmal zufrieden.

Es hat Spaß gemacht, einfach mal Kleidungsstücke anzuprobieren und für gut oder nicht gut zu befinden ohne vorher Stunden an Arbeit hineingesteckt zu haben. Sowohl das Nähen als auch das Shoppen hat seinen Reiz und ich denke meine Garderobe wird auch langfristig eine Mischung aus „handmade“ und „von der Stange“ sein.

In den vergangenen 12 Monaten habe ich wirklich viel genäht. Es sind Tops und Flops entstanden, ich habe einiges gelernt und eigene Schnittmuster entwickelt, eines davon sogar gradiert. Wer hätte das gedacht? Mein Schnittmuster Bethioua hat 250 Euro Spenden eingesammelt, die über Plan International einer Familie in Nepal helfen werden. Allen Spendern danke ich sehr herzlich dafür.

Aus ersten zarten Blogkontakten haben sich mittlerweile Freundschaften entwickelt. Da war auch das Nähcamp nicht ganz unschuldig dran. Ich danke euch allen für ein Jahr voller Inspiration und toller Kommentare. Ohne euch Leser würde das Nähen und das Drumherum nur halb so viel Spaß machen.

Durch den Kaufverzicht habe ich mich auf den Weg gemacht, einen, oder besser gesagt meinen Stil zu entwickeln. Es ist noch ein langer Weg bis zum Ziel, vielleicht ist aber auch der Weg das Ziel. Wenn ich überlege, was ich anfangs so genäht habe und was ich heute nähe ist das schon ein Unterschied. Bei dieser Entwicklung bin ich einen entscheidenden Schritt weitergekommen durch die professionelle Farb- und Stilberatung aber auch durch viele Blogs, wobei ich da immer aufpassen muss, dass ich mich nicht in Ideen verliebe, die nicht zu mir passen. So etwas endet dann gerne mal als Schrankleiche oder Schlafanzug.

Das Durchhalten der 365 Tage ist mir nicht schwergefallen. Ich habe es als Herausforderung angesehen und bin daran gewachsen. Mein Kleiderschrank hat sich gelichtet. Es ist einiges rausgeflogen, was verschlissen war, von Farbe, Form und Stil nicht zu mir passt. In der Geschwindigkeit wie ich zum Schluss ausgemistet habe konnte ich nicht nähen. Es ist gar nicht so schlecht einen so luftig leeren Kleiderschrank zu haben. Aber die Auswahl muss definitiv vergrößert werden, idealerweise mit kombifreudigen Teilen. (So die Theorie!).

Im Lieblings-Klamottenladen hat man sich in der letzten Zeit bestimmt über mich gewundert. Immer nur gucken, aber nicht kaufen? Jede „Kann ich behilflich sein“ Frage habe ich freundlich abgelehnt. Ich hätte ja schlecht fragen können ob ich mal eben den Schnitt abnehmen darf. Manchmal bin ich sogar in die Umkleide gegangen, um mir ein Teil in Ruhe anschauen zu können. Ja, wirklich. Schon merkwürdig das Verhalten, oder?

Meine Familie hat im vergangenen Jahr häufig meinen Rücken gesehen, über ein Schnittmuster gebeugt, an der Nähmaschine und am Rechner. Zeit, mal wieder den Rücken zu strecken, tief durchzuatmen und sich der Familie zuzuwenden.

Nähen und Bloggen kostet nun mal viel Zeit, die an anderer Stelle fehlt. Meine Familie hat mich trotzdem durchgehend unterstützt. Als ich meinem Sohnemann dem Zweiten erzählte, dass ich nun wieder shoppen gehen darf war er ganz bestürzt: „Och nee, Mama, die Sachen sind doch so schön, die Du nähst!“. Was bleibt einem da als Mama noch zu sagen?

Feste soll man feiern wie sie fallen. Ich finde mein durchgehaltenes Kaufverzichtsjahr feiernswert und mache für meine treuen Leser eine Verlosung. Bitte nicht weitersagen. Die ist nur für euch.

Ihr könnt mit etwas Glück folgendes gewinnen:

3 x 1 Inkodye Set in blau von der Firma Silverbird24.com

2 x 1 Buch „Stoff, Schnitt und Stich“ vom Verlag Edition Fischer

Wer beim Gewinnspiel mitmachen möchte hinterlässt bitte bis Freitag, den 16.5. um 19 Uhr einen Kommentar unter diesem Post. Bitte schreibt konkret im Kommentar, dass ihr am Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

Nun stellt sich mir noch die Frage wie es hier im Blog weitergehen soll. Mich juckt es in den Fingern eine neue Challenge anzugehen. Hmmm.

Wie wäre es mit einem Jahr Stoffkaufverzicht? Da müsste ich kreativ werden und bei jedem Stoffgewinnspiel mitmachen in der Hoffnung etwas zu gewinnen. XXL Shirts kaufen und zerschnippeln? Wenn der Stoff zuende ist nicht mehr nähen? Auf Sponsoren hoffen?

Oder ein Jahr ohne gekaufte Schnittmuster und erstmal von den vorhandenen zehren oder womöglich alle vorhandenen Schnittmuster aus dem Haus verbannen und bei Null anfangen? Nur mit Linealen und Papier? Bei jedem Probenähen eifrig die Hand heben? Mich von einem Tutorial und Freebook zum Anderen klicken?

Oder ein Jahr ohne Nähmaschine… ach nee. Irgendwo ist auch Schluss mit lustig.

Habt ihr eine Idee?

Schön, dass ihr bis zum Ende gelesen habt. Ich hätte noch viel mehr schreiben können, aber es soll erst einmal reichen.

Ich lade euch herzlich ein zu kommentieren. Jeder Kommentar wird von mir gelesen und wertgeschätzt.

Ganz herzliche Grüße,

Elke

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17 thoughts on “Shoppen verlernt man nicht

  1. nähfabrik sagt:

    Mein größter Respekt, das Du ein Jahr lang standhaft warst! (Ich nähe von Herzen gerne – mittlerweile auch viel für mich – gehe aber auch für mein Leben gerne shoppen… 🙂
    Liebste Grüße Sabine

  2. Klasse, schon ein ganzes Jahr um, ich hab gedacht da fehlen bestimmt noch ein paar Monate.
    So schnell ist es um.
    Ich glaube bei mir hätte sich das Kaufverhalten bestimmt geändert,
    ich bin ja auch so ziemlich wählerisch,
    wenn es nicht auf Anhieb gefällt oder der Preis nicht okay ist,
    kann ich auch ohne nach Hause gehen.
    Ich drück dir die Daumen, dass es klappt.
    Liebe Grüße
    Nähoma

  3. Hallo Elke, dein Beitrag ist sehr schön geschrieben. Regt auf jeden Fall zum nachdenken an… Ich finde es auf jeden fall toll, das du das eine Jahr durchgehalten hast. Eine neue Challenge klingt gut. Den Verzicht auf Schnittmuster finde ich Interessant, da du hier ja auch schon viel Wissen angesammelt hast. Ich bin auf jeden Fall gespannt! LG Anja

  4. froschfuss sagt:

    Ach liebe Elke, ich bewundere ja dein Durchhaltevermögen!!!
    Ich geh zwar nicht oft und auch nicht wirklich gerne shoppen, aber so ganz ohne gekaufte Klamotten ein ganzes langes Jahr?!?! Das verdieht echt Respekt.
    Lustig finde ich es ja, dass du trotzdem in Läden und sogar in Umkleidekabinen warst… ein bisschen Selstquälerei ;o) und das verdient noch mehr Respekt!!!!
    Ich bin ja gespannt ob es ein neues Projekt geben wird? Kein Stoffkauf wäre echt hart!!!! (obwohl ich genug für ein Jahr hätte – eigentlich schlimm)
    Wir sehen uns.
    GLG, Anne

  5. Michaela sagt:

    Wow! Liebe Elke, ein ganzes Jahr durchgehalten. Respekt. Ich ertappe mich auch immer öfter dabei, wie ich mir die Sachen (Nähte, Material usw.) genauer ansehe als noch vor 1 – 2 Jahren. Ich habe erst in den letzten 12 Monaten damit angefangen Kleidung (für meine Tochter und mich) zu nähen. Davor waren es egtl. immer nur Dekosachen oder kleinere Geschenke (Täschchen usw.). Aber es macht soooo Spaß! Und die Ideenliste wird immer länger…. Bei Deinem Gewinnspiel mach ich natürlich gerne mit!

    Bin sehr gespannt, welches neue Ziel Du Dir setzen wirst 😉

    Viele liebe Grüße, Michaela
    goosebumps(at)gmx(punkt)de

  6. Ms Fisher sagt:

    Liebe Elke, das klingt ganz wunderbar. All die Gedanken und Erfahrungen. Da hat sich das Projekt ja wirklich gelohnt.

    Ich schaue nun auch auf zwei Jahre Kaufverzicht, den ich mit zwei Kaufteilen unterbrochen hatte, zurück. Für mich ist noch kein Ende in Sicht. Mich zieht es noch (?) nicht in die Läden. Obwohl ich mich oft ärgere, dass die Zeit fürs nähen fehlt und damit das ein oder andere Teil viel zu lange auf der To-Sew-Liste verweilt.

    Eine Aktion, nur nach selbst erstellten Schnitten zu nähen, fände ich toll. Aber ob du die Zeit dafür hast? Ich hätte sie wohl eher nicht. Es wäre aber reizvoll.

    Ich mag ja Aktionen/Projekte sehr und verfolge sie gern. Ich freu mich also wenn dir was neues einfällt :))

    Apropos Aktion: wie stehen für Chancen auf ein neues Nähcamp?

    Liebste Grüße
    Sindy

  7. Liebe Elke, das ist ja der Wahnsinn! Herzlichen Glückwunsch zum Durchhaltevermögen. Ich selbst bin bei solchen Dingen ja nicht sehr willensstark. Und deine Vorschläge keine Stoffe und keine Schnittmuster shoppen zu dürfen hört sich fast nach einem Albtraum an.. Wobei, wenn ich mir das recht überlege es sicher mehr als vernünftig beim Anblick meiner Stoffberge und bisher unvernähten Schnittmuster wäre :/
    Hmm.. Vielleicht wäre das wirklich einen Gedanken mehr wert .. Bin gespannt wie du das noch weiter spinnst 😉

    Ganz liebe Grüße nach Berlin!
    Anna

  8. Ach und beim Gewinnspiel mache ich natürlich liebend gern auch mit <3

  9. Liebe Elke, ich muss sagen, das war irgendwie bisher der allerschönste Beitrag, den ich bei dir gelesen habe. Ich merke , dass du diesen Beitrag mit vielem verbindest, mit eben diesem Jahr der Erfahrungen !!!
    Und ich komm zwar nicht ganz ohne Shoppen aus, da ich mir immer wieder mal ein paar neue Socken und Schuhe kaufen muss aber verzichten tue ich seit dem Nähen doch deutlicher. Man wird anspruchsvoller und ich finde meiste niund nicht mehr die Schnitt & Muster die mir im Kopf vorschweben.
    Ich bin ganz gespannt was du für eine neue Challenge wgst, freu mich, wenn wir nochmal 365 selbgenähte Klamotten in Bildern sehen dürfen und freue mich auf s nächste Nähcamp mit dir 😉 *hihihihihih *

    Ich mag auch an der Verlosung teilnehmen und wünsche mir das Inkodye Set <3
    Ich hab mir letztens auch endlich die Folien für den drucker gekauft und werd mich nach Barcelona mal an meinen wirren Ideen setzen und sie sortieren 😉
    Dann fehlt nur noch das Set zur Umsetzung 😉
    Liebste Grüße von mir und Looni

  10. Holycow sagt:

    tolles projekt! ich hab mir das shoppen in einkaufszentren und modeketten abgewöhnt, erlaube mir aber shoppingtouren auf flohmärkten und in second hand shops (und auf dem stoffmarkt, klar) und vermisse gar nichts! im gegenteil, das stellt den schnäppchenjägerinstinkt auch mehr als zufrieden, man verbringt nicht seine komplette zeit an der nähmaschine und ein flohmarktbummel ist so viel spannender als ein einkaufszentrum… beim stoffkaufverzicht bin ich allerdings leider echt ne niete – ich hatte mir mal vorgenommen immer erst dann wieder einen neuen stoff zu kaufen, wenn ein anderer vernäht worden ist – aber schaff es nicht.
    ich würde übrigens wahnsinnig gern mit dem inkodye set experimentieren und möchte bitte bitte in den lostopf!

  11. Sandra sagt:

    Ein großartiges Experiment geht zu Ende (und der Kommentar von deinem Sohn ist Zucker). Eine neue Herausforderung? Die gekauften Schnittmuster auch anzuwenden ist denke ich für viele eine Herausforderung.

    Viele Grüße,
    Sandra

  12. Ute Trpke sagt:

    Eine tolle Idee, ein ganzes Jahr Klamotten-Shoppen-Abstinenz – ich hätte ganz sicher mehr Schwierigkeiten gehabt und das große Problem, dass ich beim Nähen ein blutiger Anfänger bin!
    Ich möchte bitte auch in den Lostopf!

    LG Ute

  13. stine sagt:

    Super toll und großes Lob fürs durchhalten. Du hast mich inspiriert und bist mein Vorbild :-). Bin auch seit Sylvester abstinent! Nichts geshoppt-auch keine Stoffe….nur einmal Ballerinas,aber die hab ich echt gebraucht!!
    Mach weiter so-ich liebe Deinen blog!…ach ja,und gewinnen würd ich auch gern,hihi

  14. Judy sagt:

    Liebe Elke, ein schönes Resümee hast Du geschrieben! In den Lostopf hüpfe ich nicht, hab ja beides 🙂
    Ich kaufe sowieso wenig, fast keine Klamotten, aber auch bei Schnittmustern und Stoffen und Nähzubehör nehm ich nur das Nötigste (und ärger mich dann manchmal).
    Jetzt hab ich sogar meine ersten Schlüppis genäht! Eigentlich Quatsch, aber hier ist eben doch der Weg das Ziel 🙂 .
    Ohne Schnittmuster auszukommen ist durchaus ein mögliches Ziel, finde ich! Ohne Stoffe geht wohl eher nicht. Und NIE NIE NIE ohne Nähmaschine!!! 🙂
    Liebe Grüße
    Judy

  15. Anonymous sagt:

    ich würde ein jahr keine schnittmuster KAUFEN und vielleicht auch zu maßband, stift und papier greifen.
    weiterhin viel creatives vergnügen.
    meri

  16. Nicibiene sagt:

    🙂 Ein schöner Abschlussbericht! Ich habe mir auch erst letzte Woche einen total schnuckeligen Jeanstrenchcoat gekauft. An der Jeanshose nage ich noch immer-genäht bekomm ich wohl doch nicht hin (angsthab) und dass obwohl auch schon der abgenommene Schnitt von der Lieblingsjeans da liegt, auch der Hanfstoff ist da. Aber die vielen Stofflagen..da hab ich doch irgendwie Bammel, dass die Technik versagt… Ich gehe auch gerne einfach nur Ideen gucken und tät bestimmt auch mal einen Schnitt abnehmen, wenn es einen Raum zum Verkrümeln gäbe. Das Erarbeiten von eigenen Schnitten reizt mich auch und eine Abstinenz beim Schnittmusterkauf könnte ich mir durchaus als realisierbar vorstellen. Oft braucht es doch nur ein wenig Fantasie und schon lässt sich ein Schnitt verändern und variieren. Auch ist ein schöner Stoff und einige kreative Details oft schon genug. Liebe Grüße von Nicole

  17. Wow- ein ganzes Jahr keine Klamotten kaufen? Das ist hart! Wäre es zumindest für mich…
    Irgendwann nehme ich es mir auch vor, wenn ich besser nähen kann!
    Ein Jahr ohne Stoffkauf finde ich gar nicht gut!!! Lieber ein Jahr keine Schuhe… Wie wäre es mit „jedes Stück Stoff verarbeiten bevor ich neuen kaufe“?

    Ich möchte total gerne auch am Gewinnspiel teilnehmen!
    Ganz liebe Grüße von Christina

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