Buch: How to be Parisian wherever you are

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Dieses Buch hätte ich mir vorher nicht gekauft. Zigarette, Kaffeetasse, Haare wie frisch aus dem Bett gekrochen. So sieht die Frau auf dem Cover aus. Und dieses ganze „How to dress like a Parisian“ auf Pinterest hat mich genervt bei meiner Suche nach Capsule Wardrobes.

 

Bei den ersten 5 Pins dieser Art war ich noch sehr angetan, denn die Auswahl der Kleidungsstücke ist sehr geschmackvoll und dezent. Wunderbar zu kombinieren. Klassisch modern. Aber nach dem xten Pin reichte es mir. Laufen die Pariserinnen etwa alle mit gestreiftem bretonischem Shirt und beigem Trenchcoat durch die Stadt? Warum ist mir diese Uniform in Paris nie aufgefallen?

 

Was sollte mich also in diesem Buch erwarten? Eine Auflistung der Kleidungsstücke, die es angeblich braucht um wie eine Pariserin auszusehen?

Als ich noch keine Kinder hatte musste ich dann und wann mal geschäftlich nach Paris. Das hieß morgens sehr früh aufstehen, in den Flieger, ins Taxi, um rechtzeitig mit den Franzosen in der Zentrale den Tag zu starten und abends wieder den gleichen Weg zurück. Ich hatte dann zwar den Tag in Paris verbracht, aber was hatte ich schon von der Stadt mitbekommen? Dass die Pariser (gefühlte oder tatsächliche) 2 Stunden Mittagspause machen und dabei Rotwein trinken!

Wenn ich so an meine französischen Arbeitskolleginnen zurückdenke ist mir keine aufgrund ihres besonderen Stils in meinem Gedächtnis haften geblieben. Dennoch scheint „die Pariserin“ ein Mysterium zu sein, welches die Welt für ergründenswert hält.

Es gibt sogar „Packing for Paris“ Blogposts damit man als Tourist genauso aussieht wie die Parisienne… Wie gut, dass Pinterest nicht die wirkliche Welt widerspiegelt. Wie langweilig wäre Paris wenn alle Frauen in einer Uniform aus schwarzen Skinny Jeans, Ringelshirt und Trenchcoat mit der gleichen gepflegten „Out-of-bed“ Frisur herumliefen?

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Glücklicherweise durfte ich Paris auch als Touristin kennenlernen, weil ich mal eine Geschäftsreise mit freien Tagen verbunden habe. Ein Kollege hat mir sehr schöne Ecken und Restaurants gezeigt. Die Tage habe ich genossen, aber auch zu dem Zeitpunkt ist mir „die Pariserin“ wie man sie heute im Internet präsentiert bekommt, nicht aufgefallen, obwohl mich mein Kollege in die weniger touristischen Ecken geführt hat. Vielleicht habe ich mich damals auch noch zuwenig (garnicht) mit Mode und Stil auseinandergesetzt oder war insgesamt zu beeindruckt von der Stadt. Meine Haare sahen damals übrigens genauso aus wie jetzt wieder.

Nun lag also „How to be Parisian“ in unserer kleinen Dorfbücherei (sowohl geographisch als auch stilmäßig fernab von Paris). Das war ein Zeichen. Ich sollte es wohl doch lesen.

Am gleichen Abend im Bett habe ich erst mit wenig Aufmerksamkeit die aktuelle  Ottobre durchgeblättert um dann zum Parisian Buch überzugehen. Und gleich von der ersten Seite hat sich mein Vorurteil, dass dies kein Buch für mich ist, zerschlagen. Ich musste herzlich lachen und fühlte mich bestens unterhalten. Hier eine kleine Kostprobe:

Kapitel 1: „Lebensweisheiten: zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist.„

„Such dir etwas aus, was jeder mag – die Oper, Kätzchen, Erdbeeren -, und verabscheue es.“

„Schneide dir die Haare selbst. Oder bitte deine Schwester darum. Natürlich kennst du einen Starfrisör, aber mit dem bist du bloß befreundet.“

„Lass dir nie anmerken, dass du dir Mühe gibst: Alles sollte leicht und unangestrengt wirken.“

Was man im Schrank einer Pariserin nie finden wird: Kleidungsstücke mit Logos, Jogginghosen, UGG Boots, bauchfreie Tops, Fake Designertaschen und halbhohe Absätze. Dafür Kaschmir statt Plastik.

 

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Mit einer gehörigen Prise Selbstironie entführen Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest den Leser in den Alltag und die besonderen Anlässe im Leben einer Pariserin. Was sie liest, was sie trägt, wie sie liebt, wie sie kocht und ihre Kinder erzieht. Mit jeder Seite wird man ein kleines Stück mehr in diese Welt gezogen und kann mit Kichern und Schmunzeln lockerflockig weiterlesen. Die Pariserin zieht mit gekonnt verstrubbelten Haaren und scheinbar ungeschminkt durchs Leben. Sie steht immer selbst im Mittelpunkt und spielt die Hauptrolle in ihrem Leben. Dabei ist sie voller Widersprüche und misst mit zweierlei Mass: „Sie hat eine Riesenklappe und kann fluchen wie ein Bierkutscher, aber sie ist entsetzt, wenn ihr jemand Guten Appetit! Wünscht. Dieser Fauxpas ist in ihren Augen schlimmer, als sich mal im Ton zu vergreifen.“

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Ich finde das Buch amüsant und erfrischend. Es ist es wert, einmal die Bücher-Komfortzone zu verlassen. Es erinnert an die Widersprüche der Weiblichkeit und dass man das Leben und sich selbst nicht so ernst nehmen muss.

Mein liebstes Zitat:

„Freu dich über das Gesicht, das du heute hast. Es ist das, das du dir in zehn Jahren zurückwünschst.“

Eine der Autorinnen, Caroline de Maigret, „Inbegriff der modernen Pariserin“ lernt man in diesem kurzen Film ein bisschen kennen.

Voilá, die Pariserin.

Möchte man nicht auch selbst ein bisschen so sein? Ich bin weit davon entfernt „Parisian“ zu sein, fühle mich aber inspiriert, ein klitzekleines bisschen mehr Paris in mein Leben zu bringen. Nein, keine Zigaretten, und auch kein Kaffee, aber so ein weißes Tshirt vielleicht…?

Zuviel davon würde ja auch dazu führen, dass wir wieder alle gleich aussehen. So mit Skinny Jeans und Bikerjacke. Ach so. Hab ich ja auch im Schrank hängen…

Et voilá zu guter letzt noch mein Outfit non-parisienne:

Hose: „Cassie“ von styleArc aus nude/roséfarbenem Wildlederimitat
Bluse: „Mila“ von itchtostitch aus grauem Chambray
Jacke: „Mona“ aus La Maison Victor niederländische Ausgabe Jan/Feb 2015 aus Wollstoff

Das Buch würde ich mir jetzt übrigens doch kaufen. Und du?


 

How To Be Parisian wherever you are: Liebe, Stil und Lässigkeit à la française – Deutsche Ausgabe (Affiliate Link)

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6 thoughts on “Buch: How to be Parisian wherever you are

  1. Ani Lorak sagt:

    Tolle Frisur! Steht Dir wirklich gut. Gefällt mir! Das Buch hört sich interessant an. Auch ich kann mich nicht an die typische Pariserin erinnert und die Klischees nerven. Etliche Male Paris erlebt, da Familie dort im 18. Bezirk, aber wie Du kann ich das Klischee nicht bestätigen. Schick siehst Du aus. Gefällt mir, vor allem das Oberteil.

    1. Elke sagt:

      Vielen Dank, liebe Ani Lorak,
      so ein bisschen Klischee gehört wahrscheinlich immer dazu, so ein paar Legenden machen die Stadt ja auch interessanter.

  2. 🙂
    das buch klingt witzig. ob es sowas auch über italien gibt?
    ich hab’s ja beruflich eher mit den italienern und tatsächlich: wenn ich beruflich dort hin muss, frage ich mich schon, was ich so anziehen kann, um auch in italien „style“ zu zeigen.
    im normalfall ist es mir herzlich egal, ob ich stylisch gekleidet bin oder nicht. aber ich musste feststellen, dass ich mich in italien wohler fühle, wenn ich nicht typisch deutsch gekleidet bin. folglich bleiben farbige dinge zu hause. die garderobe besteht überwiegend aus schwarz, weiß, grau und dunkelblau. vielleicht noch ein bisschen braun oder camel. witzig, wie man sich so anpasst….
    herzliche grüße
    die frau s.

    1. Elke sagt:

      Hihi, bestimmt gibt es ein ähnliches Buch auch über die Italiener, aber da kann ich dir jetzt leider keinen Buchtipp geben. Ich merke, ich muss mal wieder ins Ausland reisen. Wahrscheinlich will man, gerade geschäftlich, nicht allzu sehr auffallen. Aber wenn deine Garderobe sowohl das eine als auch das andere hergibt ist das doch super.

  3. Bine von echt Knorke sagt:

    Liebe Elke,

    mit Paris habe ich ehrlich gesagt so gar nichts am Hut. Was wohl daran liegt das ich bei meinem ersten Besuch mit 18 Jahren einen fürchterliche Magen und Darm Virus hatte und die beiden Tage in einem ekligen Hotelzimmer bleiben musste.
    (Mit Fixierbesteck auf der Fensterbank, schlimme Erinnerung.)
    Den Marine Stil mag ich dagegen sehr, wusste nicht das das typisch für Französinnen ist. Wieder was gelernt, grins.
    Deine Chanel-Jacke steht dir ganz ausgezeichnet gut. Schade das ich auf den Bildern die neue Hose nicht wirklich bewundern kann. Aber ich sehe sie bestimmt in neun Wochen.

    Dein Gesicht-Zitat hat mich heute den ganzen Tag begleitet. SEHR GUT. Ich bin jetzt schon leicht unzufrieden mit der Entwicklung meines Bindegewebes, wie soll das nur erst in zehn Jahren aussehen. Da kommt schon leichte Panik auf!

    Ich wünsche dir eine frankophile Woche.
    Sonnige Grüße
    Bine

  4. Stefanie sagt:

    Hallo Elke,
    vielen Dank für diese spannende Rezension des Buches. Ich bin inzwischen auch schon mehrmals im Buchladen an ihm vorbeigekommen und dachte auch immer… „Ne, das ist nix für mich…“ Jetzt hast Du mich so neugierig gemacht, dass ich es mir doch Mal näher angucken werde.
    Übrigens finde ich Deine Lederhose einfach genial! Du hast Dir solch eine Mühe mit dem Faltendetail gegeben. Du hast zwar auf Instagram geschrieben, dass Du Dir „keinen Gefallen“ mit der Farbe getan hast, aber dem muss ich einfach widersprechen. Ich finde, die Hose steht Dir sowas von hervorragend, dazu die blaue Bluse und die Kurzjacke.
    Ich finde, hier zeigst Du Deinen persönlichen Stil schon sehr gut!
    Liebe Grüße,
    Stef

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