Shoes & Dont´s zum Midikleid “Karl”

Was lange verpönt und nur “für Omas” war, liegt wieder im Trend: wadenlange Säume und Rollkragen. Unsere Sehgewohnheiten werden wieder auf die Probe gestellt. Springen wir auf den Zug auf, oder lassen wir diesen Trend passieren? Kürzlich kam das Schnittmuster “Karl” auf den Markt, das diese beiden Trends in einem wadenlangen Rollkragenkleid vereint.

Je mehr ich mich mit meinem Stil beschäftige, desto besser weiß ich, was ich auslassen sollte. Aber die Verlockung ist natürlich immer wieder da und manchmal muss man ja auch mal was Neues ausprobieren. Als Monika uns in der Probenähgruppe ihren “Karl” vorstellte, habe ich mich innerlich gesträubt und mich ausgeklinkt.

Und dann tröpfelte ein Karl-Foto nach dem anderen in der Facebook Gruppe ein und so langsam stellte sich meine Sehgewohnheit um. Wir waren mitten in den Herbstferien und Dank Instagram überkam es mich dann. Der Nähdrang kam unglücklicherweise in einem Moment wo ich keine Nähmaschine und keinen Stoff zur Hand hatte. Aber zum Glück hatte ich Catrin “an der Hand”, zumindest virtuell, um schnell eine Entscheidung bezüglich des oliv-grauen Sweats zu treffen. Das Timing war perfekt. Schnitt und Stoff lagen vor der Haustür als wir eintrudelten.

“Karl” ist (normalerweise) schnell genäht, aber typischerweise hielt ich mich an einem Detail auf. Ich kann das nur so. Aber wie schon im letzten Post, zitiere ich noch einmal Charles Eames:

“The details are not the details. They make the design.”

Dieses Zitat hat meinen Blick auf Mode und insbesondere meine eigenen Sachen wieder ein bisschen verschoben oder vielleicht auch geschärft. Das, woran ich mich manchmal ewig aufhalte, ist einfach das, was meine Kleidung ausmacht.

Als ich quasi schon im Midi-Rolli-Trend-Zug saß, ließ ich gedanklich eine kleine Analyse laufen. Ich muss gestehen, dass das bei jedem Schnitt automatisch passiert. Ich nähe selten impulsiv. Dafür habe ich schon zu viele Teile für die Tonne produziert.  

Meine Analyse ergab:

  • pro: meine Beine sind lang, Midi sollte funktionieren
  • pro: meine Brust ist klein, Rolli sollte also ungekürzt funktionieren
  • pro: die Designbeispiele gefielen mir
  • contra: Gefahr des Nachthemd-Looks
  • contra: keine passenden Schuhe

Egal. Ich habe die Contras ignoriert und Gefallen gefunden an meinem Military Karl.

karl_midikleid_rollkragen

Die Farbe ist so richtig Bundeswehr mit leichtem Grau-Einschlag. Der Stoffhersteller Nosh nennt die Farbe “Mokka”, was aus meiner Sicht nicht so richtig passt. Der Sweat an sich hat eine tolle Qualität. Schön elastisch, innen nicht angeraut. Den kann ich nur empfehlen. Vielen Dank an Catrin vom ::stoffbüro::, die mir diesen Stoff kostenlos zum Testen geschickt hat.

Die obligatorische Karl Tasche wurde bei mir zur “angetäuschten” Klappentasche. Ganz getreu Monikas Motto: “Make it your own”, hat mein Kleid einen militärischen Anstrich erhalten.

Elke bat mich einen Tipp für ihren, diesen Beitrag beizusteuern. Aus der Perspektive der unkonventionellen Stilberaterin. Was mich ehrt. Sehr ehrt, denn ich halte sehr viel von Elke und ihrer reflektierten, genauen, hinterfragenden Art. Als ich den Artikel las, ging mir Folgendes durch den Kopf: Was um Himmels willen könnte ich hierzu noch beisteuern?! Sie sagt alles. Bis ins kleinste Detail. Die Schuhtipps, 1A. Das mit der Länge: Perfekt erklärt. Da brauche ich nicht noch einen oben drauf setzen, den es gar nicht gibt. Der Satz „Make it your own!“ ist so gut, dass ihn am liebsten entwenden würde! Tu ich nicht. Und er ist verdammt gut und so wahr und „richtig“! Deshalb gibt es heute: Keinen Tipp von mir. Ich bin gelernte Damenschneiderin und nähe seit Jahren nicht mehr. Zeit, Muße, … oft auch der Effekt bei Fertigstellung keine Lust mehr auf das Teil zu haben. Ausserdem bin ich eher global. Will heissen: Ich lass gerne auch mal fünf grade sein und bin anders als Elke in dieser Hinsicht. Obwohl ich es damals geschafft habe, zweite Kammersiegerin zu werden mit meinem Gesellenstück und -tuch (ich sage nur handgenähte Knopflöcher!). Beim Lesen von Elkes’s Beiträgen bekomme sogar ich wieder Lust auf’s Auspacken meiner guten alten Pfaff samt Overlock! Liebe Leserin, Du bist hier in besten Händen und denk’ dran: Schönheit beginnt im Herzen und geht dann vom Kopf bis zu den Füßen.
Katharina Maier, unkonventionelle Stilberaterin

Die Midi-Saumlänge

Die Saumlänge kann zur Gratwanderung werden. Ich würde den Schnitt mit dem vorgesehenen Saum zuschneiden um dann bei der Anprobe über die Länge zu entscheiden.

Fakt ist: Querlinien verbreitern. Das kann man bewusst für sich einsetzen, oder bewusst vermeiden, ganz nach Geschmack.

Die Herausforderung bei der Midi Länge ist es, das kurze Stück Bein, das man sieht, vorteilhaft zu unterstreichen. Zusätzliche Querlinien unterhalb der Saumlänge wie z.B.: Socken, Stiefel, Leggings sollte man vermeiden, wenn man das Bein optisch nicht noch weiter verkürzen will. Wenn Strümpfe und Schuhe die gleiche (dunkle) Farbe haben, dann fallen Unterbrechungen weniger auf.

  • Wenn du kräftige Waden hast, macht es Sinn, sich die Länge noch einmal ganz genau anzuschauen. Der Midi Saum ist eine Querlinie, die den Wadenbereich optisch verbreitert. Versuche also die Länge oberhalb der breitesten Stelle deiner Beine zu halten oder unterhalb. Mit einer Saumlänge bis kurz unterhalb des Knies betont man eine schmalere Stelle des Beins. Das sieht meistens vorteilhafter aus.
  • Die schmalste Stelle des Beins ist die Fessel, diese sollte idealerweise zu sehen sein, damit die Beine nicht aussehen wie Säulen. Deswegen sollten auch Stiefel und Stiefeletten am Knöchel anliegen.

 

Shoes and dont´s

“Je länger der Saum, desto höher der Absatz” besagt eine Moderegel. Demnach gehört also zu einem Midi Saum ein hoher Absatz, am besten Pumps, die noch den Rist des Fußes zeigen und dadurch optisch das Bein verlängern. Nun haben wir aber das Problem, dass der Winter vor der Tür steht und die Füße und Beine warm eingepackt sein wollen. Außerdem gibt es ja Leute wie mich, die keine hohen Absätze tragen (wollen).

Shoes:

  • Pumps
  • hohe Stiefel, deren Schaft unter dem Saum endet
  • schmale Stiefel, anliegend an den Fesseln
  • spitz zulaufende Schuhe
  • Schuhe und Strümpfe in der gleichen (dunklen) Farbe

Dont´s:

  • Schuhe mit hell abgesetzter runder Kappe
  • Stiefel deren Schaft an der breitesten Stelle der Wade endet
  • kontrastfarbene Sohle
  • kontrastfarbene Schuhe
  • Söckchen, die aus den Schuhen herausschauen
  • Riemen, Schnallen, Falten

Nun ist es aber gerade total trendy, flache Schnürschuhe oder (weiße) Sneakers zu längeren Kleidern und Röcken zu tragen, am besten noch mit Söckchen. Mir kommt da gleich ein Zitat der Modeflüsterin in den Sinn: “Flache Schuhe zu Röcken machen Beine kürzer und Füße größer.” Das ist gut zu wissen, gerade wenn man auf großem Fuß oder kurzem Bein lebt, aber ich bleibe dabei:

Make it your own!

Wie du siehst, habe ich mich mangels Schuhauswahl an keine der Regeln gehalten. Ich finde diese Stiefeletten nicht besonders stilsicher zum Kleid, aber für ein einzelnes Kleid kaufe ich mir nicht sofort neue Schuhe. Jetzt ärgere ich mich tatsächlich, dass ich letztens ein paar sehr hohe graue Stiefel aussortiert und zerschnitten habe…Aaaaah.

Karl, 5 mal anders

Drei Frauen, die sich Karl mit den “richtigen” Schuhen  zu eigen gemacht haben:

1- Sarah von fabrictragic mit einem Streifenkarl zu braunen Stiefeln. Die Stiefel sind schmal und verschwinden unter dem Saum, so dass keine weitere Unterbrechung das Bein optisch stört.

fabrictragic_karl

2- Anna von Bloglessanna.com in herbstlichem Rot und statt einer Tasche einer Blumenbrosche. Anna trägt Ankle Boots in schwarz zu schwarzer Strumpfhose. So funktioniert der Look sehr gut.

bloglessanna_karl

3- Maarika von Liivi und Liivi trägt Karl gemustert in einer etwas kürzeren Version. Der Saum bedeckt das Knie, endet somit an einer relativ schmalen Stelle des Beins. Dazu trägt sie schmale Stiefel in neutralem Braun.

liivii_karl

4- Frau Gold bleibt ihrer reduzierten Linie treu und kombiniert weiße Sneaker zum hellgrauen Karl. Clean und angesagt. 

fraugold_sneakers

5- Wer sich mit Midi nicht anfreunden kann, macht es wie Andrea von lyaundich und näht sich ein kurzes Kleid. Was für ein Hingucker! Mit der kürzeren Saumlänge kann man auch wieder mehr mit den Schuhen spielen. 

 

Und, was denkst du? Ist die Midilänge ein Go oder No-Go für dich?

Ganz herzliche Grüße,

Elke

Weiterführende Links:

Was ist ein Fußdekolletée und welche Schuhe zum Rock im Winter?

Fotobeispiele für Schuhe zur Midi-Länge

Flache Schuhe zu Röcken tragen und dabei schlank aussehen

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9 thoughts on “Shoes & Dont´s zum Midikleid “Karl”

  1. Oh, liebe Elke, danke für diesen tollen Beitrag. Wieder einiges dazu gelernt. Ich trage zu meinem Karl Stiefel, die am Saum enden und finde es schön. Deine Variante finde ich an dir toll, an mir kann ich es mir nicht vorstellen. Lieben Dank und viele Grüße!! Yvonne

  2. Bine sagt:

    Liebe Elke,
    Da brauche ich als “laufender Meter” gar nicht lange drüber nachdenken. Für mich leider ein klares Don’t. Aber ich genieße die gezeigten Bilder und freue mich besonders über deine meterlangen Beinen.
    Sonnige Grüße
    Bine

  3. Vanessa sagt:

    Ich finde es toll, wie manche Blogger sich mit Mode beschäftigen! Auch deinen Beitrag finde ich sehr interessant! Das Kleid ging größentechnisch so gar nicht bei mir, bei deiner Länge besser, jefoch kann ich mich nicht damit abfinden! Ich fand keins der Designbeispiele gelungen, im Sinne dass es gut aussah! Zum Glück unterscheiden sich Geschmäcker!
    Dies soll keine Kritik sein, du nähst phantastisch, nur bei diesem Trend kann ich die Beigeisterung nicht teilen .
    LG
    Vanessa

  4. Monika sagt:

    Wow – Elke, was für ein toller Post.
    Alles wofür ich im Probenähen gekämpft habe findet sich hier wieder! Traut euch, probiert es aus, findet eure Linie! Make it your own!
    Und ich bin totaler Fan deiner unkonventionellen Stilberaterin!
    Deinen Karl finde ich wirklich prima an dir – MilitaryKarl 😉
    Danke, dass du dich getraut hast!
    Liebe Grüße
    Monika

  5. Lee sagt:

    Tolles Kleid Elke und ich finde das steht dir, auch mit den Schuhen…Ich bin immer noch am gucken und kann mich nicht entscheiden ob Karl was für mich ist oder doch lieber nicht…
    Liebe Grüße,
    Lee

  6. frau gold sagt:

    du wieder.
    unglaublich wie detailliert du schreibst!
    danke für deine einschätzung!
    herzlich, S*

  7. Stella sagt:

    moin Elke,
    was ein gewagter Schnitt und spannende Umsetzung inkl. der Schuhdiskussion.
    Ich bin vom Typ kleiner Fuß, kurze Beine. Dann kommt erschwerend dazu, das ich gerne Sneaker oder hohe Sneaker trage. Daher würde ich mich der Variante 5 anschließen, sonst hätte ich tatsächlich ein Nachthemd an.
    Zum Schnitt muss ich also sagen: Mutig und wer’s tragen kann, gerne.

    St.

  8. Thanks for linking to my Karl! I agree, skirt length and shoes always influence each other! 🙂

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